Hap-Ki-Do
Ursprung und Herkunft
(kurze Betrachtung)

Ursprung der asiatischen

Kampfkünste

Die genaue Entstehungszeit der asiatischen Kampfkunsttechniken ist nicht bekannt. Man schätzt, dass entsprechende Techniken seit ca. 3000 Jahren gelehrt werden. Mit Ausbreitung der buddistischen Religionslehre wurden nach und nach immer mehr Kampfkunsttechniken kultiviert und weitergegeben.

Kampfkunst in Asien hatte von jeher eine enge Beziehung zu philosophischen, weltanschaulichen und religiösen Inhalten.

Teilweise wird angenommen, dass Mönche sich erste Techniken aneigneten, um sich in der freien Natur auf ihren Wanderschaften und an ihren Meditationsorten vor wilden Tieren und vagabundierenden Banden zu schützen. Hauptziel soll hierbei die Kampfunfähigkeit des/der Anderen gewesen sein.

Allerdings handelt es sich hierbei um ungesicherte Annahmen/Überlieferungen und nicht um gesicherte Erkenntnisse.

Wichtige Impulse und Entwicklungen der Kampfkunsttechniken waren sicherlich auch den militärischen und kriegerischen Bereichen zuzuordnen, auch wenn hier die Anwendung von Hilfsmitteln (Waffen aller Art) im Vordergrund stand. Kampfkunst war ursprünglich ein allumfassender Begriff und Selbsverteidigung mit bloßen Händen, wie wir sie heute trainieren, war nur ein kleiner Teilbereich.

Alle  Kampfkünste haben bis heute einen langen Entwicklungsprozess durchschritten. In Asien kamen die Hauptimpulse aus Indien und China. Diese vermischten sich mit koreanischen und japanischen Kampfkunstenwicklungen. Es war naturgemäß ein ständiger Austausch. So hielten sich chinesische Meister in Japan auf, als auch japanische Meister in China. Dies traf auch auf koreanische Meister zu. 

Erst seit ca. 100 – 150 Jahren haben sich Kampfkunstsysteme so entwickelt, dass sie sich vorrangig der Selbstverteidung widmeten. Ab ca. 1900 kamen erste japanische Meister (Judo) auch nach Europa/Deutschland. Erst später folgten koreanische Meister u.a. des Tae-Kwon-Do, Ki-Do, Hap-Ki-Do und und Tang Soo Do.

 

Koreanische Kampfkünste der Selbstverteidigung

Die Kampfkunstsysteme wie Hap-Ki-Do, Tea-Kwon-Do etc. wurden erst im 20. Jahrhundert richtig entwickelt. Insofern ist Hap-Ki-Do neueren Ursprungs. Die Wurzeln der Techniken haben in Teilen eine lange koreanische Tradition, wobei es aber auch chinesische und insbesondere japanische Einflüsse gab.

Hap-Ki-Do als eigenes Kampfkunstsystem der Selbstverteidigung wurde erstmals von 

Choi Young Sul

entwickelt.

Choi Young Sul

Sokaku Takeda

Die eigentliche Geschichte des Hap-Ki-Do beginnt mit Choi Yong Sul (1904 bis 1986). Als Choi 1904 in Korea geboren wurde, geriet dieses gerade unter japanische Herrschaft. Wie auch immer, ist Choi nach Japan und dort mit 11 Jahren als Hausjunge zu Sokaku Takeda, dem damaligen Oberhaupt einer alten Samurai-Familie, gekommen. Sokaku lehrte das System Daito-Ryu-Aiki-JuJutsu. Dieses umfasst waffenlose Kampftechniken wie Hebel-, Wurf- und Würgetechniken in geringem Umfang auch Schlag- und Tritttechniken.

Obwohl Hausjunge, soll Choi dort 30 Jahre lang diese Kampftechniken erlernt haben. Eine Zeit lang hat hier auch Ueshiba Morihei, der spätere Begründer des Ai-Ki-Do, gelernt, womit sich auch die Ähnlichkeiten zwischen einigen Techniken des Hap-Ki-Do und des Ai-Ki-Do erklären dürften.

Nach dem Tod Sokakus und dem Ende des 2. Weltkrieges kehrte Choi 1945 nach Taegu in Korea zurück. Dort eröffnete er auch seine erste Schule, in der er zunächst reines Aiki-JuJutsu unterrichtete. Er nannte es Yu-Sul, die koreanische Übersetzung von JuJutsu (japanisch war gerade nicht sonderlich beliebt). Er kam im Laufe der Zeit mit anderen koreanischen Systemen in Berührung, insbesondere den harten Faust- und Fußstößen, und integrierte sie in seinen Stil. Er benannte sein System in dieser Zeit des öfteren um, so z.B. in Yu-Kwon-Sul oder HapKi-Yu-Kwon-Sul. In seiner Schule unterrichtete Choi viele spätere Großmeister, so u.a. Ji Han Jae und Kim Moo Wong.

Choi Young Sul in Verbindung mit Ji Han Jae entwickelten das Hap-Ki-Do, wobei Choi den Ursprung setzte und Ji die spätere Weiterentwicklung und insbesondere die Verbreitung des Hap-Ki-do vorantrieb.

Ji Han Jae

Ji Han Jae

Großmeister Ji Han Jae (geboren 1936) kommt aus Andong, Südkorea. Mit 13 Jahren begann er sein Training bei Choi für 5 Jahre. Da er nicht über den 3. Dan hinauskam, verließ Ji den Dojang im Streit. Er setzte seine Ausbildung bei einem Mann fort, der sich Taoist Lee nannte. Dort lernte er Stocktechniken und diverse Fußtritttechniken. Außerdem soll er noch von einer Nonne die „innere Energie“ (Ki) kennengelernt haben. In seiner ersten Schule in Andong unterrichtete er seine Schüler in HapKi-Yu-Kwon-Sul. Später ging Ji nach Seoul. Er vereinigte die Techniken von Choi und Lee und nannte seine Kunst ab 1959 Hap-Ki-Do.

Im Jahre 1965 gründete er nicht nur die Korea Hap-Ki-Do Association, sondern wurde auch Chefausbilder der Leibwache des koreanischen Präsidenten. Im Jahre 1971 spielte er in einem Bruce Lee-Film mit (Game of Death, der Mann mit dem goldenen Gürtel), was ihm aber einige koreanische Meister negativ ankreideten. Das Glück wendete sich 1979, als nach einem tödlichen  Attentat auf den Präsidenten Park ein Schatten auf ihn fiel und Ji wegen seiner Verbindung und Position zum  Präsidenten zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. In der Haftzeit entwickelte er die Ideen, die später zu seinem unter der Bezeichnung Sin-Moo-HapKiDo weiter entwickeltem Hap-Ki-Do-System führten. Im Jahre 1984, nach Entlassung aus dem Gefängnis, wanderte Ji Han Jae über Deutschland in die USA aus.

Zu seinen Schülern gehörten zahlreiche spätere Großmeister. 

Wie auch

Kim Sou Bong.

Kim Sou Bong

Kim Sou Bong

Großmeister Kim Sou Bong kam im Jahre 1964 nach Deutschland, offiziell als Gastarbeiter, der im Bergbau arbeiten sollte. Mit ihm kam ein anderer Großmeister, Park In Suk. Sie trainierten zunächst in Kamen Hap-Ki-Do mit einigen Interessierten. Dies ist auch der Grund, warum der älteste Hap-Ki-Do-Verein in Beckum seit 1967 existiert.

Da zwei Meister in der Regel Streit bedeuten, erfolgte später eine Trennung. Park ging in die USA, Kim lehrte in Mülheim an der Ruhr. In den 1970-er Jahren förderte Kim auch Schulen im Rhein/Main-Gebiet sowie in Österreich. Meister Kim hat insofern das Hap-Ki-Do als erster koreanischer Meister nicht nur in das damalige Westdeutschland, Österreich und die Beneluxstaaten gebracht, sondern er war wohl damit auch der erste koreanische Meister, der Hap-Ki-do in Europa bekannt machte. Großmeister Kim gründete 1969 als Dachorganisation das Deutsche Hap-Ki-Do Dan-Kollegium (DHDK). Bis November 2010 führte er erfolgreich eine Schule in Düsseldorf. Am 04.08.2011 verstarb Meister Kim. Bis in diese Zeit war Großmeister Kim über mehr als vier Jahrzehnte ständiger Begleiter, Lehrer und Prüfer für den Post-Sportverein Bochum e.V., Abt. Hap-Ki-Do.